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Wie ermittle ich meinen KMU-Status?

Warum es wichtig ist seinen KMU-Status zu kennen und wie man ihn ermittelt.

KMU-Status und Pflichtaudit

Jedes Unternehmen in Deutschland ist gesetzlich verpflichtet seinen KMU-Status zu kennen. Es muss diesen bei Anfrage durch eine Behörde auch nachweisen.

Wichtig zu beachten: Sollte ein Unternehmen z.B. durch Expansion in den NICHT-KMU-Status hineinwachsen, entsteht automatisch die gesetzliche Pflicht, selbstständig ein Energieaudit nach EDL-G durchzuführen (also ein Pflichtaudit – gemäß DIN EN 16247-1) und dieses beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einzureichen, bzw. nachzuweisen.

Diese Seite möchte Sie als Unternehmer und Unternehmerin über die wichtigsten Punkte für Ihr Unternehmen und die Zusammenhänge bzgl. eines Pflichtaudits gemäß DIN EN 16247-1 informieren. Alle hier gemachten Angaben sind ohne Gewähr und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft dar.

Grundlagen

Auf Grund einer EU-Richtlinie wurde 2010 das Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) erlassen. Dieses soll für einen geringeren Energieverbrauch sorgen und dadurch den Klimaschutz nach vorne bringen.

Das EDL-G greift sehr tief in die Unternehmen ein und hat dadurch weitreichende Folgen für jedes einzelne Unternehmen in Deutschland, die sehr oft unterschätzt werden.

Wichtig: Die Nachweispflicht ob ein Unternehmen ein KMU ist oder nicht, liegt bei jedem einzelnen Unternehmen selbst. D.h. jedes Unternehmen muss zu jeder Zeit Auskunft über seinen KMU-Status geben können. Werden falsche Angaben zum KMU-Status gemacht, kann dies erhebliche Bußgelder nach sich ziehen (§12 EDL-G)

Für wen gilt das Gesetzt?

Zuerst einmal für alle Unternehmen in Deutschland, egal welcher Größenordnung.

Wie werden Unternehmen im EDL-G klassifiziert?

Generell gibt es lediglich zwei Klassifizierungen im EDL-G:

  • KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) und
  • NICHT-KMU

Warum ist es so wichtig zu wissen, ob mein Unternehmen KMU ist oder nicht?

Das EDL-G verpflichtet NICHT-KMU zur Durchführung eines Energieaudit nach DIN EN 16247-1. 

Die Überprüfung der Erfüllung dieses Gesetzte obliegt dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). (LINK zum BAFA)

Die Unternehmen sind dabei selbst verantwortlich für die Feststellung Ihres KMU-Status. Sie müssen bei einer Klassifizierung als NICHT-KMU auch auf eigene Veranlassung ein Pflichtaudit durchführen UND dem BAFA gegenüber unaufgefordert einen Nachweis über die Durchführung des Energieaudits melden.

Neben den Pflichten gibt es allerdings auch erhebliche Vorteile, wenn man seinen KMU-Status kennt: Sowohl für KMU als auch für NICHT-KMU gibt es staatliche Fördermittel wie z.B. Zuschuss bei Heizung, Fördermittel für Digitalisierung, Fördermittel für Investitionen bei Modernisierung, usw.

Probleme/Aufgabenstellungen bei der Ermittlung des KMU-Status:

Die grundlegende Unterscheidung in KMU und NICHT-KMU ist relativ einfach, der Teufel steckt wie so oft auch hier im Detail: Häufigster Knackpunkte sind die Berechnung der Mitarbeiterzahlen (Vollzeitäkquivalente) sowie die Eigenschaften „Verbundene Unternehmen“ und „Partnerunternehmen“. Bei diesen Knackpunkten wurden schon oft Details übersehen was dazu führte, dass ein Unternehmen „plötzlich„ ein NICHT-KMU ist.

Bin ich ein KMU oder bin ich ein NICHT-KMU?

KMU sind Unternehmen, die die Voraussetzung des Anhang 1. Artikel 2 der EU-Verordnung 651/2014 erfüllen, wobei die folgenden Kriterien verwendet werden:

 

Unternehmen fallen unter die Klassifizierung KMU, wenn Sie

  • weniger als 250 Personen beschäftigen (Vollzeitäkquivalent)
  • die entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. Euro erzielen ODER
  • deren Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 43 Mio. Euro beläuft

 

Stolpersteine bei der Ermittlung des KMU-Status:

  1. Richtige Berechnung der Mitarbeiteranzahl
  2. Verbindungen /Teilhaberschaften mit anderen Unternehmen

1. Richtige Berechnung der Mitarbeiteranzahl

Ich habe über 250 Mitarbeiter, bin ich evtl. trotzdem noch ein KMU?

Bei der Berechnung der Mitarbeiteranzahl gilt das Vollzeitäkquivalent, wobei es Personengruppen gibt, die nicht mitgezählt werden.

Berechnungsweise der Mitarbeiteranzahl gemäß Vorschriften des Bundesamtes für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle (BAFA).

In der Mitarbeiterzahl enthalten:
Das Kriterium „Mitarbeiterzahl“ umfasst Vollzeit-, Teilzeit- und Zeitarbeitskräfte sowie Saisonpersonal und schließt folgende Gruppen ein:

  • Lohn- und Gehaltsempfänger;
    Für das Unternehmen tätige Personen, die zu ihm entsandt wurden und nach nationalem Recht als Arbeitnehmer gelten (kann auch Zeit- oder sogenannte Leiharbeitskräfte einschließen);
  • Mitarbeitende Eigentümer;
    Teilhaber, die eine regelmäßige Tätigkeit in dem Unternehmen ausüben und finanzielle Vorteile aus dem Unternehmen ziehen.

In der Mitarbeiterzahl nicht enthalten:

  • Auszubildende oder in der beruflichen Ausbildung stehende Personen mit Lehr- oder Berufsausbildungsvertrag;
  • Mitarbeiter im Mutterschafts- oder Elternurlaub

Berechnung der Mitarbeiterzahl (Vollzeitäquivalente):

Um die durchschnittliche Mitarbeiterzahl der entsprechenden Betrachtungsperiode zu bestimmen, sollte folgende Rechnung durchgeführt werden:

  1. Ermittlung der Anzahl der Vollzeitäquivalente eines jeden Monats des Geschäftsjahrs
  2. Addition der jeweiligen Vollzeitäquivalente der Monate
  3. Division der Summe der Vollzeitäquivalente durch die Anzahl der Monate im Geschäftsjahr

Eine sehr gute Erläuterung zur Berechnung der Mitarbeiteranzahl finden Sie auch im „Benutzerleitfaden zur Definition von KMU“ 
Dort sind auch die drei nachfolgenden Sachverhalte nochmals ausführlich erläutert.

2. Bin ich ein eigenständiges Unternehmen oder zähle ich zu den verbundenen Unternehmen?

Ein Unternehmen zählt zu den „verbundenen Unternehmen“ wenn:
  1. Das Unternehmen mehr als 25 % des Kapitals oder der Stimmrechte (hier gilt der jeweils höhere Wert) an einem oder mehreren anderen Unternehmen hält und/oder
  2. Außenstehende mehr als 25 % des Kapitals oder der Stimmrechte (hier gilt der jeweils höhere Wert) am Unternehmen halten oder
  3. Das Unternehmen ist mit einem anderen Unternehmen über eine natürliche Person verbunden

Was passiert, wenn ich unbemerkt den NICHT-KMU Status durch Überschreiten einer der zuvor genannten Grenzen erlangt habe?

Wenn das Unternehmen den NICHT-KMU Status erreicht hat ist es vom Grundsatz her gesetzlich verpflichtet ein Energieaudit nach EDL-G durchzuführen und die Umsetzung dem BAFA zu melden.

Für diese Pflichtaudits gibt es verschiedene Fristen (auch Übergangsfristen) die zu beachten sind. Sollten diese jedoch überschritten werden, besteht seitens der Behörden die Möglichkeit in Bußgeld (z.T. pro Verstoß) von bis zu 50.000 Euro zu verhängen.

 

Aus all den hier aufgeführten Gründen sollte ein Unternehmen (besonders wenn es sich im Grenzbereich der Parameter befindet oder in irgendeiner Form mit anderen Unternehmen verbunden ist) UNBEGDINGT seinen KMU-Status überprüfen. Hier können Steuerberater und Wirtschaftsprüfer eine sehr gute Unterstützung sein.

Es gibt unter gewissen Voraussetzungen auch eine Befreiung von der Pflicht ein Energieaudit erstellen zu müssen. Dies sollte allerdings sehr genau betrachtet und am besten von einem der zuvor genannten Stellen verifiziert werden. Eine Falscheinschätzung kann hier sehr nachteilige Folgen haben.

 

Noch ein Hinweis zum Schluss: Sollte ein Energieaudit verpasst worden sein, entsteht sofort eine VERFRISTUNG und es kann ein Bußgeld verhängt werden, das Pflichtaudit muss allerdings trotzdem durchgeführt werden. Somit kommen zu den normalen Kosten des gesetzlich vorgeschriebenen Energieaudits auch noch die Kosten des Bußgeldes hinzu.